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Reha und Kur mit Hund

Früher war es undenkbar, dass jemand, der einen Hund besitzt, zusammen mit seinem Haustier eine Kur beantragen und durchführen konnte. Der Hund musste vorübergehend in Pflege gegeben werden – oder der Kurbedürftige verzichtete oft genug zugunsten seines tierischen Freundes auf die Kur. Da aber zunehmend Menschen alleine leben und keine Verwandten oder Nachbarn mehr haben, die den Hund über drei oder vier Wochen aufnehmen würden, ist die Einrichtung von Kurmöglichkeiten mit Hund eine gute Idee. Leider verfolgen noch immer viel zu wenige Kurkliniken dieses Konzept.

Die klassischen Reha- und Kurkliniken müssen sich dank der Kostenexplosion im Gesundheitswesen neue Klientele erarbeiten. Die zuständigen Kostenträger versenden immer häufiger ablehnenden Bescheide auf Kuranträge. Die Kliniken sind daher zunehmend gezwungen, sich stärker an den Bedürfnissen der Kurbedürftigen zu orientieren. Viele Menschen, die ein Haustier zu versorgen haben, finanzieren ihre Kurmaßnahmen heute selbst. Daher haben sie auch die Hoffnung, dass es eines Tages möglich sein wird, eine Kurklinik zu finden, wo der Kurbedürftige seinen Hund mitnehmen kann.

Tatsächlich existieren heutzutage bereits solche Angebote, wenn auch in sehr begrenztem Umfang. Bisher nehmen nur psychosomatische und psychiatrische Kliniken sowie einige Suchtkliniken den besten Freund des Menschen mit auf. Einige wenige Institutionen bieten zudem eine tiergestützte Therapie.

Kur mit Hund

Kur mit Hund ©iStockphoto/Wavebreakmedia

Der berechtigte Wunsch nach einer Kur mit Hundebegleitung

Mehrere Reha-Suchtkliniken und psychosomatische Kliniken haben sich schon auf eine Klientel Kurbedürftiger eingerichtet, die mit ihrem Hund anreisen möchte. Menschen mit seelischen Erkrankungen können zudem von mindestens einer Klinik profitieren, die eine tiergestützte klinische Therapie anbietet. Die Erfolge solcher Experimente lassen hoffen, dass sich zukünftig mehr Kur- und Reha-Kliniken diesem Bedürfnis öffnen. Sicher ist das aber nicht.

Machbar ist eine Kur mit Hund ansonsten lediglich, wenn die Kur als ambulante Kurz- oder Kompaktkur privat finanziert wird und die in der Nähe der Kurklinik liegende Unterkunft die Mitnahme von Hunden erlaubt. Ob es jedoch sinnvoll ist, einen Hund in einer fremden Umgebung während der Anwendungen stundenlang alleine zu lassen, ist fraglich. Die Anwendungen einer ambulanten Kur richten sich naturgemäß nicht nach den Bedürfnissen des Hundes aus. Machbar ist die Mitnahme eines Hundes bei ambulanten Reha- oder Kurmaßnahmen in der Regel nur, wenn ein nicht kurender Partner mitreist, der sich um den Hund kümmern kann.

Bisher haben viele Hundebesitzer lieber auf eine Kur verzichtet, als ihren Hund wochenlang in fremde Hände zu geben. Zudem ist Kuren immer eine Kostenfrage. Nicht jeder kann es sich leisten, eine Hundepension für mehrere Wochen Kurdauer zu bezahlen. Wer als Rentner in Altersarmut oder als Sozialhilfe-Empfänger mit knappen Finanzressourcen zu kämpfen hat, kann solche Möglichkeiten nicht nutzen. Freiberufler müssten neben den Kosten für die Tier-Unterbringung, die eigene Unterbringung und die Reisekosten auch noch den Verdienstausfall eines ganzen Monats abschreiben.

Möglich ist oft nur, den Hund während der Kur einer nahestehenden Person anzuvertrauen, die das Tier gut kennt. Bei einer lange andauernden Reha-Maßnahme nach einem Gehirnschlag oder einer unfallbedingten Querschnittlähmung entfremdet sich das Tier aber dadurch von seinem Halter. Die lange Abwesenheit des Halters verursacht dem Tier Stress. Zudem kann auch derjenige, der einen Hund vorübergehend in Pflege nimmt, in Stress geraten, weil das Tier sich nicht anpasst.

Welche Kurkliniken bieten Kuren mit Hund an?

Während einer Reha-Maßnahme kann ein Hund, der sich in Pflege befindet, erkranken oder einen Unfall verursachen. Der Kurbedürftige kann sich oft keine Minute auf die Anwendungen konzentrieren, wenn er den Hund nicht mitnehmen kann. Kurverlauf und Kurerfolg jedoch davon ab, dass der Kurbedürftige seinen Hund bei sich hat oder zumindest gut aufgehoben weiß.

Einige Kurkliniken haben sich daher dem Gedanken geöffnet, eine Reha-Maßnahme oder Kur mit Hund zu ermöglichen. Es setzte sich bei diesen Kliniken die Erkenntnis durch, dass der Kurerfolg nachhaltiger ist, wenn das Haustier mitgebracht werden darf. Derzeit bieten jedoch nur Suchtkliniken und psychosomatische Klinken diesen Sonder-Service an. Die meisten Reha- und Kureinrichtungen mit anderen Ausrichtungen erlauben weiterhin keine Hunde für eine fremdfinanzierte stationäre Kurmaßnahme.

Bei Kuraufenthalten im Ausland müssten zudem bestimmte Impfungen getätigt und Quarantäne-Bedingungen eingehalten werden. Generell fällt mehr Gepäck an, da Schlafgelegenheiten, Futternäpfe oder Spielzeug mitgebracht werden müssen. Ob die Renten- oder Krankenkasse einen Kurantrag für eine Kur oder Reha-Maßnahme mit Hund genehmigt, steht außerdem in den Sternen. Im Internet finden sich Listen, die die bisher bekannten Kur-Einrichtungen und Fachkliniken ausweisen, die die Mitnahme von Hunden erlauben.

Lediglich drei Nicht-Suchtkliniken bzw. nicht psychosomatisch orientierte Kliniken können im Netz gefunden werden. Es sind

– die „Fachklinik für Orthopädie, Innere Medizin und Rheumatologie“ in Baden-Baden
– die Nordracher „Winkelwaldklinik“ für onkologische und geriatrische Rehabilitation sowie Kurz- und Langzeitpflege
– sowie die „AWO-Fachklinik Schönau“, zuständig für spezielle Schmerztherapie und Schmerzpsychotherapie in Bad Mergentheim.

Ob diese Einrichtungen das Konzept „Kur mit Hund“ beibehalten haben, ist zu prüfen. Als Vorbild für das neue Kurkonzept gelten drei Kliniken der Dr. Becker Klinikgruppe. Sie bieten hundegerechte Räume, abwischbare Bodenbeläge, Zimmerbalkone mit Sichtschutzwand, spezielle Aufenthaltsräume für kurende Hundebesitzer, eine Hunde-Waschstraße sowie große Auslaufareale mit Agility-Sportgeräten, wo auf Leinenzwang verzichtet wird.

Was muss bei einer Kurmaßnahme mit Hund beachtet werden?

Hundefreundlichen Reha- und Kurkliniken bieten alles, was sich Hundebesitzer wünschen würden. Der Hund darf in der Regel während der Anwendungen im Zimmer des Halters bleiben. Die Anwendungen werden möglichst so gelegt, dass zwischendurch genügend lange Pausen sind, die zum Gassi gehen und Spielen genutzt werden können.

Für den Kurbedürftigen gilt es zunächst, einiges an organisatorischen Dingen zu erledigen. Denn ein Tier mitzunehmen, bedeutet mehr Arbeit. Als Erstes muss eine Reha- oder Kurklinik gefunden werden, die eine Kur mit Hund ermöglicht. Das gewünschte Fachgebiet muss vertreten sein. Danach muss die Bewilligung für eine Kur mit Hund vom zuständigen Kostenträger vorliegen. Der Kurbedürftige kann bei seinem Kurantrag angeben, dass er einen Hund mitnehmen muss oder möchte. Er kann eine Kurklinik benennen, wo das möglich ist. Im Kurantrag sollte ausführlich begründet werden, warum der Hund mit in die Kur muss.

Die Anmeldung in der ausgewählten Reha- oder Kurklinik sollte als „Kur mit Hund“ angemeldet werden, da auch Patienten ohne Hund einchecken können. Bei psychosomatischen Kliniken, die Kuren mit Hund anbieten, müssen die Kurbedürftigen wegen der kontingentierten Zimmer für solche Wünsche gelegentlich mit längeren Wartezeiten rechnen. Die Wartezeiten müssen allerdings medizinisch vertretbar bleiben, denn sonst ist das Risiko von Verschlimmerungen zu hoch. Arzt und Kostenträger müssen gegebenenfalls von längeren Wartezeiten in Kenntnis gesetzt werden.

Auch die Tiere haben bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen, sonst wird die Kur mit Hund zum Alptraum. Der mitgenommene Hund darf kein Kampfhund und nicht per Verordnung als solcher eingestuft worden sein. Er muss

– stubenrein sein
– mit anderen Hunden verträglich bleiben
– problemlos alleine bleiben können
– gegen Tollwut und Staupe geimpft sein
– vor der Kur eine tierärztliche Untersuchung durchlaufen haben
– parasitenfrei und gesund sein

und der Halter muss eine gültige Hundehaftpflichtversicherung besitzen. Die Versorgung des Tieres obliegt dem Halter allein. Alles, was der Hund während der Kurmaßnahme benötigt, muss folglich mitgebracht werden. Ob es ortsnahe Einkaufsmöglichkeiten für Hundefutter oder einen Tierarzt in der Nähe gibt, sollte der Halter vorab erkunden.

Tiergestützte Therapieangebote

Als zweite Möglichkeit, den Hund mit in eine Kur zu nehmen, bietet sich die tiergestützte Therapie an. Genau bezeichnet ist diese Kurmaßnahme als „tierbegleitete stationäre psychosomatische Therapie oder Behandlung“. Dafür gibt es bisher nur sehr wenige Anbieter, unter anderem die „Parkklinik Heiligenfeld“ in Bad Kissingen. Ambulante Therapien mit Hund gab es bereits zuvor. Es gibt sie auch heute – aber stationäre sind weiterhin selten. In der Kurklinik Bad Kissingen geht man jedoch davon aus, dass die Therapien besser anschlagen, wenn der eigene Hund mit eingebunden wird. Gerade bei psychisch oder psychosomatisch kranken Menschen ist die Bindung zu diesem Tier oft noch enger als gewöhnlich.

In der Bad Kissinger Parkklinik wohnt der Hund bei seinem Frauchen/Herrchen. Mehrere Hunde sind erlaubt. Die tierbegleitete Behandlung klärt die Beziehung zum Hund. Das soll zur Gesundung des Kurbedürftigen beitragen. Der Hund ist mehr als nur anwesend. Er wird zu einem wichtigen Bestandteil der Therapie. Die meisten Haustiere psychisch kranker Menschen können von diesen nicht immer angemessen behandelt werden. Sie werden phasenweise vernachlässigt oder mit zu viel Liebe überschüttet, weil der Patient bedürftig ist.

Das mitgebrachte Haustier profitiert also bei der tiergestützten Behandlung auch selbst. Es wird nicht mehr mit zu großen Erwartungen überfrachtet oder zu lange sich selbst überlassen. Hunde sind kein Ersatz für Kinder oder einen Partner. Trotzdem werden sie oft ähnlich behandelt. Indem er die Bedürfnisse seines Tieres mehr achten lernt, erinnert sich der Besitzer zunehmend, wie er sich selbst angemessener behandeln kann.

Mögliche Inhalte einer tiergestützten Therapie

Das beispielhaft skizzierte, psychotherapeutische Behandlungskonzept in Bad Kissingen bezieht sich auf drei Basis-Komponenten. Depressive oder psychotische Patienten werden gemäß der klinischen Konzepte wegen ihrer Erkrankung behandelt. Das mitgebrachte Haustier – in diesem Fall ein Hund – wird vom zugewiesenen Therapeuten in die Einzelsitzungen oder in andere Therapiemaßnahmen einbezogen. Eines der besprochenen Themen ist die Beziehung zwischen Halter und Hund. Gegebenenfalls wird eine Tier-Kommunikationstrainerin an der Runde teilnehmen. Drittens kann der Patient in multimodalen psycho-edukativen Gruppen etwas zum Thema „Beziehung oder Kommunikation zwischen Mensch und Tier“ lernen.

Thematisiert werden etwa
– die emotionelle Bindung zum Hund
– dessen Signal- und Körpersprache
– die Bedürfnisse des Tieres
– wie man richtig mit dem Tier spielt
– Beschwichtigungssignale des Halters
– der Umgang mit Trennungen oder Trauer

oder inwieweit der Hund zum Spiegel der menschlichen Seele werden kann.

Das Konzept der bad Kissinger Parkklinik verfolgt den Gedanken, dass eine intensivere Beziehung zum Hund bei der Heilung psychischer Erkrankungen einen Gewinn darstellt. Zeitgleich kann auch das mitgebrachte Tier von der zunehmenden Gesundung seines Halters profitieren.

Zu betonen ist, dass das Bad Kissinger Behandlungskonzept experimentell ist und sich möglicherweise nicht auf breiter Basis durchsetzen kann. Fraglich ist also, ob die Kostenträger solche Kuren mitfinanzieren. Auch in der Parkklinik müssen die Patienten hundespezifische Kosten gegebenenfalls selbst finanzieren. Die Einbindung eines Hundetrainer oder einer Tierheilpraktiker geschieht folglich zulasten des Hundebesitzers.

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