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Gründe für eine Kur

Gründe für eine Kur gibt es viele, auch wenn der Mensch noch nicht im medizinischen Sinne krank ist. Kuren dienen neben der medizinischen Rehabilitation auch dazu, Stress abzubauen, Übergewicht loszuwerden oder mit dem Rauchen aufzuhören.

Was ist eine Kur?

Viele Menschen verbinden die Kur mit schweren Leiden. Möglicherweise müssen sich dort Kranke von einem Herzinfarkt oder einer Depression erholen. Doch Kuren dienen auch der Vorsorge, die in vielen Fällen eher als die Nachsorge zu empfehlen ist. Daher ist eine Kur unter anderem bei den ersten Anzeichen des Burnouts hilfreich. Die Kassen unterscheiden zwischen Vorsorgekuren zu solchen Zwecken und Reha-Kuren nach Krankheiten oder Unfällen. In beiden Fällen dient die Kur der Regeneration ohne die störenden Einflüsse des Alltags, das ist ihr eigentlicher Zweck. Während der Kur erhalten die Patienten die nötigen medizinischen Behandlungen.

Rehabilitationskuren

Sehr häufige Gründe für eine Kur ergeben sich im Rahmen von Rehabilitationsmaßnahmen. Nach Operationen und schweren Krankheiten oder Verletzungen – häufig durch Arbeits-, Sport- oder Verkehrsunfälle – benötigt der Körper viel Zeit für die Rehabilitation. Der Patient muss körperlich stark entlastet werden, was sich im normalen Alltag trotz Krankschreibung oft nicht einrichten lässt. Die Kur dient neben dieser Entlastung auch der genau terminierten Durchführung von medizinischen Maßnahmen. Sehr oft ist eine Physiotherapie erforderlich, für die in einer Kurklinik das erforderliche Fachpersonal zur Verfügung steht.

Warum eine Kur?

Warum eine Kur? @iStockphoto/sjlocke

Für wen kommt die Vorsorgekur infrage?

Diese Form der Kur eignet sich für Personen, die vorbeugen wollen und müssen. In vielen Fällen ist beruflicher Stress der Hauptindikator, mit einer Vorsorgekur lässt sich ein Burnout wahrscheinlich verhindern. Auch werdende Nichtraucher, Mütter mit ihren Kindern und Abnehmwillige nutzen gern Vorsorgekuren. Weitere Gründe für diese Kur sind Allergien, Herz-Kreislauf-Probleme, Rückenschmerzen, Erschöpfung und Atemwegserkrankungen.

Warum Kur statt Klinikaufenthalt?

Ein Klinikaufenthalt ist aufwendig, für den Patienten mit großen Einschränkungen verbunden und für die Krankenkasse teurer. Daher überlegen Patienten und Ärzte gemeinsam, inwieweit sich die Probleme durch eine stationäre oder ambulante Vorsorgekur lösen lassen. Für die ambulante Vorsorgekur eignet sich ein staatlich anerkannter Kurort am Wohnort des Patienten, wo Solebäder, Thermalwasser und Physiotherapie zur Verfügung stehen. Die stationäre Vorsorgekur verschreiben Ärzte bei schwereren gesundheitlichen Problemen. Hierbei erfolgt die Unterbringung im Kurhaus, die Kurklinik führt alle Therapien und Anwendungen durch.

Ist für die Vorsorgekur Urlaub erforderlich?

Wer eine ambulante Vorsorgekur in Anspruch nimmt, gilt als arbeitsfähig und muss daher Urlaub nehmen. Bei der stationären Kur wird der Patient für die Dauer der dreiwöchigen Kur krankgeschrieben. Auf Antrag übernehmen Krankenkassen teilweise die Kosten für die ambulante Vorsorgekur. Außerdem zahlen sie Zuschüsse für Unterkunft, Fahrtkosten und Verpflegung. Für stationäre Vorsorgekuren zahlen die Kassen auf Antrag alle Kosten bis auf eine Eigenbeteiligung der Patienten von zehn Euro pro Tag. Beim Antrag auf so eine Kur hilft der Arzt.

Stress als häufigster Grund für eine Kur

Chronischer Stress gehört zu den gefährlichsten Krankheiten unserer Zeit. Betroffen sind nicht nur beruflich stark eingespannte Menschen, sondern auch alleinerziehende Mütter und Väter sowie Personen, die einen Angehörigen pflegen. Diese Mehrfachbelastung führt ohne ausreichende Regeneration und Erholung unweigerlich zum Zusammenbruch. Der Stress erzeugt bei den betroffenen Personen eine Erschöpfung, die als Burnout-Syndrom bekannt ist. Diese Erschöpfung beeinträchtigt auch die Kinder von Alleinerziehenden sehr stark. Bei Mutter-Kind-Kuren (die es auch für alleinerziehende Väter gibt) soll die Gesundheit des Elternteils und des Kindes oder der Kinder gestärkt werden. Indikationen beziehungsweise Diagnosen für die Berechtigung zu so einer Kur sind:

-ein allgemeines Erkrankungsrisiko,
-beeinflussbare Gesundheitsstörungen durch Belastungen innerhalb der Familie,
-Burnout,
-psychovegetatives Erschöpfungssyndrom,
-Schlafstörungen,
-Unruhe- und Angstgefühle,
-depressive Verstimmung,
-Gereiztheit,
-Fehl-, Unter- und Überernährung,
-Rückenschmerzen,
-funktionelle Magen-Darm-Probleme,
-Kopfschmerzen und
-unspezifische muskuloskeletale Beschwerden.

Belastende personen- und umweltbezogene Kontextfaktoren spielen eine große Rolle. Sie können die bestehenden Gesundheitsprobleme negativ verstärken.

Die Stressantwort des Körpers

Stress empfinden wir zwar als unangenehm, doch er ist eine notwendige Antwort des Körpers auf Gefahren und hat sich evolutionsbiologisch entwickelt. Dass Stress Magen-Darm-Probleme verursacht, erschließt sich aus der Geschichte der Spezies Homo sapiens: Unsere Vorfahren mussten oft vor wilden Tieren flüchten, was besser gelang, wenn sie ihren Darm schlagartig und komplett entleerten. Das passiert bei einer Gefahr immer noch, die stressgeplagte Person leidet unter Durchfall. Verstopfung hatte den Zweck, bei einer drohenden Hungerkatastrophe den Darminhalt so ausgiebig wie möglich zu verwerten, die Nahrungsaufnahme zu reduzieren und den Stoffwechsel zu verlangsamen. Schlafstörungen wie der sehr oberflächliche Schlaf von jungen Müttern dienten dazu, das Baby und sich selbst vor einem Überraschungsangriff zu bewahren. Viele Stressreaktionen lassen sich so erklären, sie haben sich über Jahrmillionen entwickelt. Nun fliehen wir heute nicht mehr vor dem Säbelzahntiger, erleiden keine Hungerkatastrophen und werden nicht im Schlaf von einem Rudel Wölfe überrascht. Die Stressantworten unseres Körpers sind aber geblieben, sie können zu schweren Erkrankungen führen. Sinnvoller als die über die Menschheitswerdung erworbene Stressantwort “Flucht oder Angriff” ist heute die Option, zu viel Stress zu reduzieren. Dazu dienen Kuren gegen Stress.

Viele Gründe für Stress

Für Stress gibt es viele ernsthafte Gründe. Zu nennen wären unter anderem:

-hohe Arbeitsbelastung bei gleichzeitigem finanziellem Druck (ein Problem unter anderem von Menschen, die im Niedriglohnsektor mehrere Jobs annehmen)
-Belastungen, denen wir möglicherweise nicht gewachsen sind, darunter die Anforderungen einer Prüfung
-Mobbing am Arbeitsplatz oder in der Schule
-Krankheiten (eigene und die von Angehörigen)
-Arbeitslosigkeit
-Angst vor Jobverlust
-Partnerschafts- und Familienprobleme
-generelle finanzielle Sorgen, Überschuldung, zu geringes Einkommen
-Suchtprobleme

Diese Liste soll keine Prioritäten setzen. Jeder der genannten Gründe kann sich zu einem riesenhaften Problem auswachsen. Das Gehirn bewertet die Probleme kognitiv und lädt dann den Körper mit Stresshormonen auf. Diese sind ein Alarmsignal: Der Mensch soll diese Probleme lösen. Nur hat er im Gegensatz zu seinen Vorfahren nicht mehr die Option, durch eine einfache Flucht oder einen Angriff binnen Sekunden und Minuten das Stressniveau herunterzufahren. Der innere Druck bleibt langfristig erhalten und führt zu den typischen Problemen nicht nur im Magen-Darm-Trakt, sondern auch im Herz-Kreislauf- sowie im Immunsystem. Wir sind schneller für Infekte anfällig, leiden unter Migräne und Spannungskopfschmerzen, müssen Schwächezustände aushalten und steuern schlimmstenfalls auf den Burnout und die Depression zu. Mutter-Kind-Kuren und allgemeine Vorsorgekuren gegen Stress sollen genau diese Belastungen wieder mindern und der prekären Stressantwort des Körpers entgegenwirken. Damit werden auch kognitive und emotionale Entwicklungsstörungen der Kinder gebremst und bestenfalls ganz unterbunden. Es lässt sich feststellen, dass nach einer Mutter-Kind-Kur (es ist auch immer die Vater-Kind-Kur gemeint) Verhaltensauffälligkeiten und dissoziale Entwicklungen nachlassen. Natürlich gibt es in Familien mit beiden Elternteilen in einem Haushalt manchmal adäquate Probleme. Auch hier kann die präventive Maßnahme einer Kur die Chronifizierung der einsetzenden psychischen Störungen verhindern. Betroffen sind Eltern und Kinder gleichermaßen. Durch die Kur wird auch die Eltern-Kind-Bindung wieder gestärkt.

Kur als Burnout-Therapie

Gerade beim durch Überlastung hervorgerufenen Burnout ist eine Vorsorgekur das Mittel der Wahl. Schließlich geht es bei dieser Therapie vorrangig um die Erholung und Ruhe für den geschundenen Geist und den dadurch gequälten Körper. Betroffene sollten nicht zögern, diese Kur in Anspruch zu nehmen. Häufig werden die ersten Signale zu sehr ignoriert. Es besteht durch die Betroffenen – in der Regel absolute Leistungsträger – generell die Tendenz, auf die eigene Robustheit zu vertrauen. Doch ein eingetretener Burnout verschwindet nicht von allein. Er hat sehr schwerwiegende Folgen, die zum finanziellen und sozialen Absturz führen können. Wer schon unter Schlafstörungen, Magenverstimmungen, häufigen Infekten, Depersonalisierung (Zynismus, Gleichgültigkeit) und Konzentrationsschwäche leidet, sollte nicht zögern, eine Kur in Anspruch zu nehmen.

Kur bei Infektanfälligkeit

Eine Infektanfälligkeit ist gegeben, wenn ein Erwachsener häufiger als viermal jährlich, ein Kind häufiger als zwölfmal jährlich von einem grippalen Infekt betroffen ist. Das schlägt sich auf die Psyche und die Leistungsfähigkeit nieder, der Körper benötigt zudem immer mehr Zeit, um symptomfrei zu werden. Stress, aber auch ein allgemein geschwächtes Immunsystem können die Auslöser für diese Infektanfälligkeit sein. Die Kur dient dazu, die Abwehrkräfte des Körpers wieder zu stärken. Bevor der Arzt diese Kur verschreibt, muss er zuvor andere Ursachen wie strukturelle, organische oder chronische Erkrankungen, Schadstoffbelastungen, Nebenwirkungen durch Medikamente und Allergien ausschließen. Die Infektanfälligkeit wird entscheidend durch eine bestimmte Lebensgestaltung verursacht. Die Kur dient auch dazu, diese auf den Prüfstand zu stellen. So spielt die Ernährung eine große Rolle, die hochwertig und ausgewogen ausfallen sollte. Für ein stärkeres Immunsystem haben sich spezielle Vitalstoffkombinationen bewährt, die ein Ernährungsexperte während der Kur vorstellt.

Kur bei Genussmittelmissbrauch

Der Missbrauch von legalen Drogen – vorrangig Alkohol und Nikotin – birgt ein sehr hohes Krankheitspotenzial. Eine Kur hilft den Menschen beim Aufhören und beim Neuanfang, sie ist vielfach der erste Schritt hin zu einem gesünderen Leben. Sie dient bei jeder Art von Drogenmissbrauch – auch dem von illegalen Drogen – der Rehabilitation. Wer eine Sucht loswerden will, benötigt hierfür Ruhe und ein stressarmes, geschütztes Umfeld. Dieses bietet die Kur.

Kur bei Übergewicht

Die Umstellung des Körpers auf eine gesündere und hinsichtlich der Menge angemessene Ernährung bei gleichzeitig mehr Bewegung ist eine große Herausforderung. Diese wird im Rahmen einer Kur am ehesten bewältigt. Ein Ziel kann darin bestehen wöchentlich 2.000 kcal sportlich abzuarbeiten. Das entspricht etwa vier Stunden Walken oder drei Stunden Joggen. Im Rahmen der Kur lässt sich ein individuelles Ernährungs- und Fitnessprogramm erarbeiten, das die Patienten in ihrem späteren Alltag fortsetzen.

Kur bei chronischen Schmerzen

Es gibt Therapien gegen chronische Schmerzen, die sich am ehesten im Rahmen einer Kur erstmals ausprobieren lassen. Chronisch können die verschiedensten Arten von Schmerzen werden. Zu nennen wären unter anderem:

-Rückenschmerzen
-Kopfschmerzen (chronische Migräne und Spannungskopfschmerzen)
-Gelenkschmerzen (Arthrose, Arthritis, Sehnenscheidenentzündung)
-Muskelschmerzen
-Schmerzen nach Unfällen und schweren Krankheiten

Die chronischen Schmerzen kehren immer wieder, ihre Ausprägung wird subjektiv wahrgenommen. Während der Kur ist es möglich, die Schmerzen deutlich zu lindern oder gar ihre Chronifizierung zu überwinden.

Fazit: viele Gründe für eine Kur

Für eine Kur gibt es zahllose Gründe. Der Vorsorgeeffekt von Kuren ist nicht zu unterschätzen und rechtfertigt in jedem Fall ihre Kosten. Die Krankenkassen übernehmen je nach Art und Gestaltung der Kur einen hohen Finanzierungsanteil.

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